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Wie kam ich dazu Hühner zu retten?
Es begann alles in Cham, im Jahr 2016, in einem Praktikum für Verhaltenslehre Huhn. Ich besuchte mit der Studienklasse einen kleinen Bauernhof. Dort sollten wir die Hühner und ihr Verhalten beobachten. Hatten sie alles was sie brauchten? Wie war ihr Auslauf? Welche Beschäftigung gab es für sie…etc.
Es lebten dort 140 Hühner in dem Stall. Da in diesem Jahr die Vogelgrippe auch in der Schweiz aktuell war, durften die Hühner nicht raus. Mussten also alle lange, lange Zeit im Stall verbringen. Viele Hühner sahen wirklich gut aus. Mein Augenmerk fiel aber recht schnell auf die Hühner, welche nicht mehr soviele Federn besassen. Sie taten mir einfach leid und schon auch etwas weh sie so zu sehen.

Zu Hause gingen mir diese Hühner nicht mehr aus dem Kopf.
Und… es kam der Tag, an dem stand für mich fest… ich rette ein paar Hühner. Ich wollte nicht, dass diese gepickten Hühner, die sicher kein einfaches Leben hatten und jeden Tag die Hochleistung, ein Ei zu legen, und dies mindestens 300 Tage im Jahr, vollbrachten, einfach so getötet und entsorgt werden sollten. Nachdem sie so viel Leistung gebracht hatten.
Am 16. Dezember 2016 fuhr ich also zu dem Bauernhof vom Praktikum und holte 3 Hühner. Mehr passten nicht in den Katzenkorb. Sie sahen alle drei sehr gerupft und ausgepowert aus. Ein Huhn hatte noch eine frische, blutende Wunde.
Da ich zu dieser Zeit noch keinen Stall hatte, brachte ich meine geretteten Hühner zu einer Kollegin. Dort kümmerte ich mich um die Hühner, bis ich einen eignen Stall hatte und sie zu mir holen konnte. Es war eine spannende Zeit. Da ich ja ganz unerfahren war im Umgang mit Hühnern. Wir hatten schon damals eine enge Bindung zueinander und werde nie vergessen wie sie die Ruhe und den Stall genossen, nur für sich alleine.

Ein Bild wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Als ich sie am Tag nach der Rettung besuchte, lag Daisy total entspannt im Aussenauslauf im Stroh und blickte verträumt in die Ferne. Dieser Moment war so faszinierend schön, dass ich ihn nicht vergessen werde. Er sagte alles aus über die Bedürfnisse eines Huhns. Es brauchte dazu keine Worte.

Nun ist schon einige Zeit vergangen seit diesem Tag. Ich habe viel gelernt und gelesen über Hühner. Ernährung, Krankheiten… aber am meisten habe ich direkt von meinen Hühnern selber gelernt. Ich wurde mit Legenot konfrontiert, mit zu grossen Eiern, viel zu weicher Schale, Beschäftigung für Hühner, was muss alles in den Stall, wie ist er aufgebaut, was sollte der Auslauf bieten, warum ein Sandbad. Ja, es gab einige Situationen, die recht aufregend waren.
Das ist was es bedeutet Hühner zu retten.

Sie alle haben ein Jahr lang extrem viel geleistet. Ein normales Huhn legt pro Jahr 20 Eier. Die Hybrid Hühner sind gezüchtet um 300 Eier pro Jahr zu legen. Eine enorme Leistung die da verlangt wird. Sie sind einfach kaputt und ausgelaugt nach dem einen Jahr. Nun heisst es gut zu beobachten und zu reagieren. Es ist viel mehr als nur einen Platz geben und Auslauf sicherzustellen. Sie müssen gut betreut werden um sich erholen zu können. Ein gutes Stallmanagement, damit nicht mehr gepickt wird. Gute, ausgewogene Ernährung. Beschäftigung, denn wenn Langeweile aufkommt, dann wird wieder gepickt. Die Temperatur muss stimmen. Genügend Individualraum… und vieles mehr. Und auch wenn dies alles umgesetzt wird und alles gut läuft, es kann jeden Tag wieder etwas vorfallen und man fängt da wieder neu an. Ein Beispiel dazu:
Im Dezember 2017 nahm ich noch mal vier Hühner auf, so dass sie nun sieben sind. Die ersten drei Hühner taten sich extrem schwer damit. Sie hatten nun ein Jahr zu dritt, in ihrer kleinen Runde, ihre Hierarchie festgelegt und hatten sich daran gewöhnt. Es wurden Kämpfe geführt, gepickt, ein sehr gutes Management von mir war gefragt. Es konnten nicht alle aus dem gleichen Topf fressen. Dies liessen die « Alten» nicht zu. Fluchtwege mussten her. Höher gelegene Orte als Sicherheit und viele verschiedene Fressstationen. Nur um einige Beispiele zu nennen. Nach einiger Zeit beruhigte sich wieder alles. Das heisst aber nicht das es so bleibt. Ich finde heute noch zwei Hühner die immer wieder gepickt werden. Dann heisst es wieder Achtung. Der Ursache auf den Grund gehen. Es ist eine Herausforderung, da diese gepickten Hühner sehr leicht zu verletzen sind ohne ihre Federn und meist sofort bluten. Dies animiert die anderen Hühner immer wieder dort zu picken.
Ein weiteres Beispiel:
Es wurden von den neuen Hühnern immer stabile Eier gelegt. Die Schale war immer gut. Ab und zu finde ich wieder ein Ei was kaputt ist. Nun heisst es herauszufinden welches Huhn dies ist. Und warum jetzt?
Ja, so wird es nie langweilig mit Ihnen. Es gibt immer Überraschungen.

Jedes Huhn ist einzigartig und hat seine Vorlieben. Jedes Huhn hat einen anderen Charakter, reagiert anders. Auch dies heisst es zu erkennen und zu wissen, damit ganz individuell auf jedes einzelne Huhn eingegangen werden kann. Dies ist auch sehr wichtig für die homöopathische Behandlung, wenn ein Huhn krank ist. Und von Vorteil, wenn schon eine genaue Vorkenntnis besteht. Ich behandle meine Hühner homöopathisch.

Es sind so schöne, intelligente, lebenslustige Geschöpfe. Sie haben es verdient, dass die Zeit die sie auf dieser Erde verweilen, ein wunderschönes, stressfreies und Huhn gerechtes Leben führen können. Darum bleiben sie bei mir bis sie von dieser Welt gehen.